Zu Gast beim Weingut Schwan: Wo der Riesling auf Kalkstein trifft
Das Zellertal ist anders. Es ist rauher, es ist kühler und es bringt Weine hervor, die Charakter haben. Wer hier Wein macht, braucht Geduld und Leidenschaft. Genau das findet man in Niefernheim beim Weingut Schwan.
Auf rhein-neckar-insider.de setzen wir unsere Reihe „Winzer der Region“ fort und blicken heute in den nördlichsten Zipfel der Pfalz. Das Weingut Schwan steht für eine klare Philosophie: Handwerk, Herkunft und Weine, die ihre Heimat nicht verleugnen.
Wir haben uns mit Moritz Himmel getroffen. Als Sohn des Geschäftsführers Dirk Himmel steht er für die nächste Generation und bringt neue Impulse in den Familienbetrieb ein. Wir haben über die Zusammenarbeit zwischen Vater und Sohn gesprochen, warum das Zellertal gerade jetzt so spannend ist und welchen Wein man unbedingt probiert haben muss.
Rhein-Neckar-Insider: Hallo Moritz! Das Weingut Schwan ist ein echter Familienbetrieb. Du steigst nun als nächste Generation voll mit ein. Wie muss man sich die Zusammenarbeit vorstellen: Herrscht im Keller immer Einigkeit zwischen Vater und Sohn, oder bringt der „junge Wilde“ auch mal Ideen ein, die den Papa erst überzeugen müssen?
Moritz Himmel:
Mein Vater und ich teilen eine sehr ähnliche Grundhaltung vor allem, wenn es um Qualität, Herkunft und Respekt vor dem Wein geht. Gleichzeitig ist es doch genau das Schöne an einem Familienbetrieb, dass jede Generation neue Impulse einbringen darf, oder?
Ich habe zum Beispiel begonnen, einzelne Weine spontan zu vergären. Nicht, um etwas „anders“ zu machen, sondern um dem Wein mehr Raum zu geben, seinen eigenen Charakter zu zeigen.
Am Ende geht es uns beiden um dasselbe: Weine zu erzeugen, hinter denen wir ehrlich stehen können. Deshalb laufen wir nicht jedem Trend hinterher, sondern treffen Entscheidungen mit Blick auf Nachhaltigkeit und langfristige Qualität.
Rhein-Neckar-Insider: Eure Web-Adresse lautet selbstbewusst pfalz-riesling.de. Das ist ein Statement. Das Zellertal ist bekannt für seine schweren, kalkhaltigen Böden und das etwas kühlere Klima. Was macht einen „Schwan-Riesling“ aus diesem Terroir so besonders im Vergleich zu einem Riesling von der Weinstraße?
Moritz Himmel:
Unsere Domain ist tatsächlich ein klares Bekenntnis: zum Riesling und zu unserer Herkunft. Denn was könnte ehrlicher sein, als genau das nach außen zu tragen?
Die schweren, kalkhaltigen Böden im Zellertal prägen unsere Rieslinge ganz entscheidend. Sie verleihen ihnen eine klare Mineralität, Struktur und ein Reifepotenzial, das man oft erst mit etwas Geduld wirklich schätzen lernt.
Anders als an der Weinstraße entsteht die Vielfalt bei uns weniger durch viele unterschiedliche Bodentypen, sondern durch die einzelnen Lagen selbst: ihre Kalkprägung, ihre Ausrichtung zur Sonne, ihr Mikroklima. So entstehen Rieslinge aus einem Gestein, aber mit ganz eigenen Persönlichkeiten.
Rhein-Neckar-Insider: Ein Name lässt Weinliebhaber aufhorchen: Der „Zellertaler Schwarzer Herrgott“. Es ist eine der ältesten und berühmtesten Lagen Deutschlands und ihr habt das Privileg, dort Parzellen zu besitzen. Was macht diesen Weinberg geologisch und klimatisch so einzigartig, dass er Weine hervorbringt, die oft erst nach Jahren ihre wahre Größe zeigen?
Moritz Himmel:
Der Zellertaler Schwarze Herrgott ist eine Lage, die Demut verlangt. Und genau das macht sie so besonders. Die kalkreichen, schweren Böden zwingen die Reben dazu, tief zu wurzeln und verleihen den Weinen eine klare mineralische Struktur.
Die reine Südausrichtung sorgt für eine gleichmäßige, sichere Reife, während der Kalkboden die Wärme speichert und zeitverzögert wieder abgibt. Das schafft Balance und Spannung zugleich.
Die Weine zeigen sich in ihrer Jugend oft eher leise und zurückhaltend. Aber wer ihnen Zeit gibt, wird belohnt: mit Tiefe, Struktur und einer Komplexität, die sich erst über Jahre hinweg vollständig entfaltet.
Rhein-Neckar-Insider: Wenn man sich euren Online-Shop ansieht, fällt auf, dass ihr neben den Klassikern auch spannende Cuvées oder Burgunder im Programm habt. Welchen Einfluss hast du persönlich auf die aktuelle Stilistik? Gibt es Projekte oder Weine, die ganz klar deine Handschrift tragen?
Moritz Himmel:
In der stilistischen Ausrichtung setze ich bewusst Schwerpunkte auf Riesling und ausgewählte Burgundersorten. Mich reizt dabei besonders das Zusammenspiel einzelner Komponenten ob in der Einzellage oder im Cuvée, um Weine mit Klarheit, Tiefe und Herkunft zu schaffen.
Meine Handschrift ist geprägt von einem präzisen, herkunftsbezogenen Stil. Rebsorten wie Riesling, Chardonnay, Spätburgunder und besonders Chenin Blanc spielen dabei eine zentrale Rolle. Gerade Chenin Blanc harmoniert im Zellertal hervorragend mit unseren kalkreichen Böden und kommt gut mit warmen Vegetationsbedingungen zurecht.
Mein erster eigener Wein war der Riesling MH Spätlese trocken, den ich seit 2016 vinifiziere. Seit 2020 bringe ich meine Vorstellungen zudem konsequent in der KOSMOS-Linie zum Ausdruck – vom Ausbau bis zum Design.
Rhein-Neckar-Insider: Das Thema Nachhaltigkeit ist in aller Munde, aber jeder Winzer definiert das anders. Wie geht ihr im Weingut Schwan damit um? Setzt ihr auf bestimmte naturnahe Bewirtschaftungsmethoden, um die alten Reben für die Zukunft fit zu halten und spielt Bio-Zertifizierung für dich als junge Generation eine Rolle?
Moritz Himmel:
Nachhaltigkeit ist für uns kein Schlagwort, sondern eine Haltung, die unseren Alltag bestimmt. Schließlich geht es um unser wichtigstes Kapital: Boden, Reben und Natur. Wer möchte diese Verantwortung nicht auch an die nächste Generation weitergeben?
Deshalb bewirtschaften wir unsere Weinberge möglichst schonend, setzen auf Begrünung, vermeiden unnötige Befahrung und arbeiten im Pflanzenschutz gezielt und ressourcenschonend mit moderner Technik.
Eine reine Bio-Zertifizierung greift für uns zu kurz. Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch soziale Verantwortung, wirtschaftliche Stabilität und langfristiges Denken. Genau deshalb sind wir Fair and Green zertifiziert – ein Ansatz, der unsere ganzheitliche Vorstellung von verantwortungsvollem Weinbau widerspiegelt.
Rhein-Neckar-Insider: Zum Abschluss unsere Insider-Frage: Das Zellertal ist landschaftlich wunderschön, aber oft noch ein Geheimtipp für Touristen. Wenn du einem Besucher einen Ort hier in der Gegend zeigen müsstest, abgesehen von eurem eigenen Weingut, wo die Aussicht am schönsten ist oder man die Seele baumeln lassen kann – wohin geht es?
Moritz Himmel:
Ich würde zum Zellertaler Denkmal fahren. Von dort hat man einen wunderschönen Blick über das Zellertal und seine Weinberge – ein Ort, an dem man sofort zur Ruhe kommt und versteht, warum diese Landschaft unsere Weine so prägt.
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