Flüssiges Gold aus Fellbach: warum die Weine vom Weingut Aldinger unsere Region erobern

Bild vor Fässer - Marcus Bassler

Wer in der Rhein-Neckar-Region nach einem guten Tropfen sucht, schaut meistens zuerst in die Pfalz oder an die Hessische Bergstraße. Das liegt nah, das kennt man. Doch wer seinen Horizont – und seinen Gaumen – ein kleines Stück weiter Richtung Süden wandern lässt, stößt unweigerlich auf einen Namen, der in der Weinwelt einen fast schon magischen Klang hat: Weingut Aldinger.

In Fellbach, vor den Toren Stuttgarts, entstehen Weine, die längst auch die Weinkarten zwischen Mannheim, Heidelberg und Speyer erobert haben. Hier führen Matthias Aldinger und sein Bruder Hansjörg das Familienweingut in der mittlerweile 16. Generation. Das ist kein Tippfehler – seit fast 530 Jahren wird hier Weinbau betrieben.

Doch wer jetzt an verstaubte Tradition denkt, irrt gewaltig. Die Aldingers gehören zur absoluten Spitze des VDP (Verband Deutscher Prädikatsweingüter) und räumen regelmäßig die höchsten Auszeichnungen ab. Ob ein filigraner Riesling oder ein tiefgründiger Lemberger: Die Weine sind modern, präzise und haben Charakter.

Wir wollten wissen, was hinter diesem Erfolg steckt und wie man es schafft, über fünf Jahrhunderte lang relevant zu bleiben. Unsere Redaktion hat Matthias Aldinger zum Gespräch getroffen, um über das Geheimnis seiner Böden, die Liebe zum Handwerk und die Verbindung in unsere Region zu sprechen.

Die Brücke in die Kurpfalz

Rhein-Neckar Insider:
Herr Aldinger, Ihr Weingut liegt in Fellbach, doch Ihre Weine sind in der Gastronomie zwischen Mannheim und Heidelberg fest gesetzt. Was glauben Sie, warum gerade die Genießer in der Rhein-Neckar-Region so eine hohe Affinität zu Ihren württembergischen Gewächsen haben und was verbindet unsere beiden Regionen beim Weingenuss?

Matthias Aldinger:
Die Weinwelt wächst zusammen. Wir schätzen dass die Menschen die Weine lokal und regional genießen, jedoch genießen Weinliebhaber die gesamten Anbaugebiete Deutschlands. Es macht einfach Spaß zum Beispiel Riesling VDP.GrosseGewächse aus verschiedenen Anbaugebieten zu verkosten und zu vergleichen. Das Weingut Aldinger steht hier für Balance und Trinkfreude. Wir wollen auf keinen Fall die Trauben zu spät ernten um die Säuren zu erhalten und die Alkoholgehalte niedrig zu halten.

Erbe und Erneuerung

Rhein-Neckar Insider:
Seit fast 530 Jahren betreibt Ihre Familie Weinbau – eine unglaubliche Zeitspanne. Wie schaffen Sie es im Alltag, die tief verwurzelte Tradition Ihrer Vorfahren zu ehren und gleichzeitig als moderner Betrieb mutige, neue Wege im Keller zu gehen, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren?

Matthias Aldinger:
Hier gibt es eigentlich keinen festen Fahrplan. Veränderung ist wichtig um Bestehen zu bleiben. Jedoch sollte die Veränderung durch einen richtigen Instinkt und oder durch eine Idee kommen hinter der man steht. Zwanghaft innovativ sein geht nach hinten los. Wir trinken gerne Weine von Kollegen auf der ganzen Welt. Neue Ideen kommen da von alleine.

Das Geheimnis im Boden

Rhein-Neckar Insider:
Kenner bringen den Namen Aldinger sofort mit dem Begriff „Gipskeuper“ in Verbindung. Diese spezielle Bodenformation prägt Ihre Spitzenlagen massiv. Können Sie uns für Laien verständlich erklären, wie genau dieser Boden den Charakter und die Mineralität Ihrer Weine beeinflusst und sie so unverwechselbar macht?

Matthias Aldinger:
Der Gipskeuper Boden kommt massiv in unserer Monopollage Untertürkheimer Gips vor. Bis 1973 wurde hier im Untertagebau Gipskeuper abgebaut. Wir haben weißes Gestein in den Weinbergen und das wirkt sich natürlich auf den Wein aus. Gipskeuper ist dem Kalk sehr ähnlich hat aber noch etwas Schwefel im Gestein mit drinnen.

Die Lage Untertürkheimer Gips ist die wärmste Lage die wir haben, gleichzeitig haben die Weine die kühlste Ausprägung. Das sagt schon alles über das Terroir aus. Die Weine haben weniger Frucht gleichzeitig sind sie sehr mineralisch mit einem salzigen Abgang.

Weinbau im Wandel

Rhein-Neckar Insider:
Die Natur ist Ihre wichtigste Mitarbeiterin, aber sie wird unberechenbarer. Der Klimawandel stellt Winzer vor enorme Aufgaben. Welche konkreten Veränderungen nehmen Sie im Weinberg vor, um auch bei steigenden Temperaturen die Frische und Eleganz zu bewahren, für die Ihre Weine so geschätzt werden?

Matthias Aldinger:
Deutschland ist immer noch eine Cool Climate Region, jedoch merken wir dass die Lese 14 Tage früher ist als noch vor 15 Jahren. Die Winter werden wärmer und die Rebe treibt früher aus. Hier kann es dann durch Frostnächte extreme schäden geben. Eine sehr große Gefahr des Klimawandels.

Im Weinberg achten wir wärend der vegetation dass wir die Blätter an den Trauben belassen. Ein natürlicher Sonnenschirm sozusagen.

Wenn die Ernte früh ist ist quasi noch Sommer. Deshalb müssen wir schlagkräftig und schnell ernten, damit wir die Trauben „al dente“ in den Keller bekommen. Gleichzeitig ernten wir früh und beenden die Lese um 12 Uhr wenn die Trauben zu warm werden.

Der perfekte Moment

Rhein-Neckar Insider:
Hand aufs Herz: Wenn Sie nach einem langen Tag an der Bergstraße oder am Neckar entspannen möchten, welche Flasche aus Ihrem Sortiment wandert dann in den Kühler? Welches Gericht aus unserer regionalen Küche wäre für Sie die ideale Begleitung zu diesem ganz persönlichen Favoriten?

Matthias Aldinger:
Meist ist es nicht die eigene Flasche Wein. Wir haben viele Kollegen mit tollen Weinen, da liebe ich auch die Vielfalt. Ganz weit vorne ist bei mir der Untertürkheimer Gips Chardonnay und unser Schaumwein der ALDINGER BRUT NATURE.

Als Speise bevorzuge ich als Schwabe immer die Maultaschen.