Vom Geheimtipp zur VDP-Spitze: Zu Gast beim Weingut Rings in Freinsheim

Team Weingut Rings - Foto credits Andreas Durst

Nach unserem Besuch in den historischen Gewölben von Deidesheim führt uns die Reise heute ein Stück weiter nördlich in die Mittelhaardt – nach Freinsheim. Hier ticken die Uhren etwas anders: jünger, wilder und mit einem Tempo, das in der deutschen Weinszene seinesgleichen sucht.

Das Weingut Rings ist ein Paradebeispiel für den „neuen deutschen Weinbau“. Statt sich auf jahrhundertealte Traditionen zu berufen, hat die Familie Rings in gut zwei Jahrzehnten den elterlichen Gemischtbetrieb komplett neu ausgerichtet – mit kompromissloser Qualität, biologischem Anbau und einer klaren Vision: The only way is up.

Wir sprachen mit Simone Rings, im Weingut ihrer Brüder Andreas und Steffen Rings zuständig für Export und Kommunikation, über das besondere Terroir-Dreieck von Freinsheim, den Mut zu Ecken und Kanten und die internationale Handschrift ihrer Rotweine.

Das Interview

Rhein-Neckar Insider:
Frau Rings, während andere VDP-Weingüter auf Jahrhunderte zurückblicken, ist die Geschichte Ihres Hauses eine des rasanten Aufstiegs. Wenn Sie heute auf das moderne Weingut am Gottesacker blicken: Was war der entscheidende Moment, in dem die Familie gesagt hat: „Wir machen das jetzt anders, wir greifen die Spitze an“?

Simone Rings:
Den Schalter auf kompromisslose Qualität hat Steffen sicher schon 2001 umgelegt, als er seinen ersten Jahrgang kelterte. Deswegen schreiben wir – zugegeben etwas augenzwinkernd – auf unsere Etiketten „Weingut seit 2001“. Die Erträge wurden drastisch reduziert, Holzfässer wurden angeschafft und wann immer möglich in Weinberge in den hochwertigsten Lagen investiert. Ich glaube, er hat das auch nie als Angriff auf die „Spitze“ (was auch immer das ist) gesehen – er wollte einfach jeden Jahrgang noch ein bisschen besser machen als den letzten.

Rhein-Neckar Insider:
Sie beschreiben die Lage des Weinguts oft als ein „Dreieck aus Kalkstein, Quarzsand und Terra Rossa“. Wie gelingt es Ihnen, diese extrem unterschiedlichen Böden in eine klare Handschrift im Glas zu übersetzen?

Simone Rings:
In dem wir jedem Wein die gleichen Möglichkeiten geben sich zu entfalten. Beispiel Riesling: Vom Gutswein bis zum VDP.GG wird bei uns jeder Riesling im Keller gleich vinifiziert. Das ist vor allem meinem Bruder Andy – der hauptsächlich den Keller verantwortet – ganz wichtig. Handlese, Spontangärung, Ausbau im großen, traditionellen Holzfass für 10 Monate auf der Hefe – das Ganze bei maximalen 1g Restzucker. Bei gleichen Rahmenbedingungen schmecken alle Rieslinge unterschiedlich. Das ist immer wieder spannend zu beobachten, wenn Kunden das in unserer Vinothek zum ersten Mal in einer Reihe probieren. Und merken, wo der Unterschied herkommt. Das ist der Ausdruck der Herkunft.

Rhein-Neckar Insider:
Freinsheim gilt als sehr warmer Standort, während Lagen wie Saumagen oder Felsenberg kühler und kalkreicher sind. Ist das der Grund, warum Ihre Rotweine wie Das Kreuz eine fast schon internationale Kraft besitzen?

Simone Rings:
Ohne das sehr warme Mikroklima in Freinsheim und die sandigen, wärmespeichernden Böden, wäre die perfekte Reife für Cabernet, Merlot & Co. sicher nicht möglich. Dass das ein „perfect match“ ist, sehen wir schon seit Mitte der 1990er, als Steffen dort die ersten Reben gepflanzt hat. Bei aller Kraft und Konzentration sind wir jedoch global gesehen immer noch in einer nördlichen Weinbauzone, so dass die Weine auch ein gepflegtes Maß an Eleganz besitzen.

Rhein-Neckar Insider:
Der Ungsteiner Weilberg mit seiner Terra Rossa ist eine Besonderheit. Welchen Einfluss hat dieser Boden auf den Charakter Ihrer Rieslinge im Vergleich zu den klassischen Kalklagen?

Simone Rings:
Die „Roterde“ ist tatsächlich super selten in unseren Breitengraden. Zusammen mit dem wärmeren Mikroklima sind die Weine tendenziell fruchtgeprägter und zeigen exotisch-würzige Aromen, wie Mandarine oder Ingwer.

Rhein-Neckar Insider:
Sie arbeiten biologisch und sehr naturnah. Spüren Sie, dass Kundinnen und Kunden heute stärker hinterfragen, wie ein Wein entsteht – nicht nur, wie er schmeckt?

Simone Rings:
Klar gibt es Kunden, die hinter die Kulissen schauen wollen. Das freut uns und auch dafür sind wir im Weingut bei Verkostungen und beim Wein-Einkauf in unserer Vinothek da. Die Weinberge liegen direkt am Weingut und so können wir unseren Besuchern gut erklären, woran man Öko-Anbau erkennen kann. Wir betreiben allerdings Öko-Anbau aus eigener Überzeugung und Verpflichtung der Natur gegeben über. Weil nur aus gesunden Böden Weine entstehen können, die authentisch und ungeschminkt von ihrer Herkunft erzählen, und zwar so, dass auch die nächste Generation davon leben kann.

Rhein-Neckar Insider:
Zum Abschluss unsere Insider-Frage: Wenn Sie abends nicht die eigenen Weine trinken – welche Flasche oder Rebsorte landet bei Familie Rings gerne einmal auf dem Tisch?

Simone Rings:
Oh, wieviel Zeit haben wir?

Nein, wir sind tatsächlich sehr bunt, was das angeht. In Frankreich viel Burgund, Loire und Jura, bei mir persönlich vor allem auch Champagne. Aber auch Österreich und die deutschen Kollegen sind oft im Glas. Piemont und Toskana ebenso und im nördlichen Spanien gibt es tolle Sachen. Ich könnte noch weiter machen…?